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Wecheselkurse der Balkanwahrungen

Stand: 07.06.2017

Staat
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Nachrichten

18.01.2019  
Der botmäßige Feind
Der Hass nach kollektivem Merkmal gegen die Roma ist seit langem eine politische Norm
2019_01-04.jpg

Vyara Stefanova
Wenn es etwas gibt, was ein sehr großer Teil der Bulgaren vereinigen kann, dann ist das ihre Abneigung gegen ihre Roma-Mitbürger. In diesem Zusammenhang sicherte eine Gruppe von Intellektuellen, vornehmlich aus dem linken Rand des politischen Spektrums, deren Position zu vielen wichtigeren Fragen von nationaler Bedeutung in der Regel fehlt, öffentlich „ihre starke Unterstützung für die Initiative vom Vizepremier und Verteidigungsminister Krasimir Karakachanov, die dieser Tage anlässlich der erneuten und immer frecher werdenden Gräueltaten von unseren Mitbürgern mit Roma-Herkunft publik gemacht wurde“ in einem Schreiben an den Regierungschef Boyko Borisov zu. In der Stellungnahme der Intellektuellen wird nicht über einen konkreten Fall gesprochen, es wird jedoch klar, dass von der Prügelattacke auf einen Militärbeamten durch zwei Personen mit Roma-Herkunft im Plovdiver Dorf Vyovodinovo die Rede ist. Nach diesem Vorfall äußerte sich Karakachanov verallgemeinernd über die Roma-Minderheit in Bulgarien: „Die Zigeuner in Bulgarien sind äußerst frech geworden. Das kann so nicht weitergehen und die Geduld der bulgarischen Gesellschaft ist erschöpft“. In solchen Fällen behauptet Konrad Adenauer, dass die Weltgeschichte die Summe dessen ist, was vermeidbar gewesen wäre. Einige der schädlichsten geistigen Anstifter des Blutbads im ehemaligen Jugoslawien kamen nicht aus der Politik, sondern aus dem akademischen Bereich. Der Kommunist Slobodan Milosevic, der sich später in einen Nationalist verwandelte, nutzte nur die sogenannte serbische nationale Frage, um seine Macht aufzubauen und zu stärken. Die Unterstützung seiner aggressiven nationalistischen Politik in den 90-er Jahren von einem Großteil der manipulierten Bevölkerung hat dann zu einem Blutbad auf dem Balkan geführt.
Nach der Äußerung von Karakachanov folgte eine Verordnung des Bürgermeisters der lokalen Gemeinde zum Abreißen Häuser in der Roma-Siedlung in Voyvodinovo. Auf die Frage eines Journalisten, was mit den 250 Personen aus der Roma-Siedlung des Dorfes passieren werde, die ihr Zuhause mitten im Winter verlieren würden, erwiderte Karakachanov: „Nehmen Sie sie doch mit nach Hause“.

Auf der Suche nach einem Übeltäter für alle Unbilden

Der politische Diskurs nutzt die bulgarischen Roma bisweilen als ein bequemes Feindbild aus, was automatisch eine Reihe von Ängsten bei den restlichen ethnischen Gruppen im Land auslöst. Eigentlich sind sie eine Gemeinschaft, die fortlaufend Gegenstand von Vorurteilen, Stereotypen und Klischees ist. Denn der Hass nach einem kollektiven Merkmal gegen eine ganze Ethnie ist längst zu einer politischen Norm geworden, die nicht nur für die Mehrheit der Bulgaren akzeptabel ist, sondern auch für ein Sprungbrett für eine bessere politische Position für Spekulanten dient, die dabei nicht zögern, unter Verletzung des Grundgesetzes Hass zu säen. Unter den Kämpfern an der Anti-Zigeuner-Front läuft ein patriotischer Wettbewerb in voller Kenntnis, dass eine Verallgemeinerung bezüglich der „zigeunerischen Frechheit“ anlässlich eines konkreten Verbrechens einzelner Individuen eine erfolgreiche Wahltaktik ist. Die Suche nach einem Übeltäter für unsere Unbilden als Volk und Staat eskaliert in Bulgarien auch ohne konkreten Anlass, ist er aber einmal da, wie im Fall mit der Prügelattacke, bieten die frustrierten Entdecker des universellen Bösen hierzulande Varianten einer „Endlösung“, wie man im nationalsozialistischen Deutschland den Plan zur Vernichtung von Juden und Roma nannte. 

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