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Stand: 07.06.2017

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Politik

09.11.2017  
Als man das bulgarische Dorf zerstörte
Der Anfang vom Ende begann noch in den 50-er Jahren, als infolge der Kollektivierung das Leben auf dem Lande unerträglich wurde 
11_2017-03.jpg

Nikolay Tsekov,Deutsche Welle

Vor 70 Jahren vernichtete das kommunistische Regime die letzten Überreste des Parlamentarismus in Bulgarien und beschlagnahmte die Industriewerke und Banken. Die Beschlagnahme des Bauernbodens aber lief nicht nach Plan. Trotz der massenhaften Fälschungen der Wahlergebnisse im Jahr 1946 stimmten über eine Mio. Bewohner der ländlichen Regionen für die immer noch existierende vereinigte Opposition mit dem Führer der Bulgarischen landwirtschaftlichen Volksunion (BZNS) Nikola Petkov an der Spitze. Seine Erhängung im September 1947 schüchterte die Mehrheit der Landwirte auch nicht ein. Somit scheiterte der Plan, dass sie ihren Boden und Vieh den bulgarischen Kolchosen – den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (TKZS) freiwillig spenden.

Ende 1950 alarmierte ein geheimes Plenum des Zentralen Komitees (ZK) der Bulgarischen Kommunistischen Partei (BKP), dass trotz der Gewalttaten gegen Bauern und des ihnen auferlegten untragbaren Solls für die Ablieferung von Fleisch, Getreide, Wolle, Milch und weiteren landwirtschaftlichen Erzeugnissen, weniger als die Hälfte der Landwirtschaftsbetriebe in die TKZS übernommen wurden. Die auf dem Lande entsandten „Druckgruppen“ prügelten, nahmen in Haft, stellten Ernte und Vieh sicher und internierten Dutzende, manchmal auch hunderte von Familien aus den Dörfern, wo der Widerstand gegen den Raub am aktivsten war.

Der Zusammenbruch

Die Gewalttaten gegen die ungehorsamen „Kulaken“ mussten fortgesetzt werden, darauf bestand die neue Macht mit Valko Chervenkov an der Spitze. Sein enger Vertrauter Titko Chernokolev berichete: „An vielen Orten, besonders in der Dobrudzha, wurden mehrere Kulaken in die TKZS aufgenommen. Nach dem Bericht des Kameraden Chervenkolev werden diese Kulaken nun massenhaft ausgeschlossen. Gemäß der Satzung der TKZS werden ihnen das Vieh und das Inventar nicht zurückgegeben. Deswegen können die Kulaken ihren eigenen Boden nicht bestellen. Des Weiteren nehmen die Behörden des Finanzministeriums die Erhebung der Einkommenssteuer von diesen Kulaken in Angriff. Da sie diese nicht zahlen können, werden ihre Wohnungen erfasst und ihnen entzogen. Das ist einer vollständigen Entkulakisierung gleich.“ In seinem Buch „Gepflügte Feldraine“ sammelte der Historiker Mihail Gruev eine Reihe von Aussagen über die Reaktion der Beraubten. „Mörder! Warum nehmen Sie unser Brot weg und geben es den Russen und den Händlern?“ schrie eine wütende Menge von 400 Bauern, als der berühmte Kommunist Ivan Todorov – Gorunya im Plevener Dorf Stavertsi eintraf.
In den 50-er Jahren wurde das Leben in den bulgarischen Dörfern unerträglich. Gegen einen Tageslohn von unter einem Lew für 10-12 Arbeitsstunden auf dem Feld konnten sich die bis vor kurzem selbständigen Landwirte nur mühsam über Wasser halten. In Nordwestbulgarien, in den Dörfern um Plovdiv, Asenovgrad, Parvomay und anderen Regionen brachen spontane ländliche Aufstände aus. Der bewaffnete Widerstand der Goryani wurde von zehntausenden neuen Kämpfern und Helfern unterstützt. Letztendlich kostete die bulgarische „Kollektivierung“ nach sowjetischem Muster das kommunistische Regime volle 14 Jahre. In den Bergregionen endete sie erst im Jahr 1962.
Die Armut in den Dörfern zwang über zwei Mio. Menschen im arbeitsfähigen Alter, diese zu verlassen und sich in den Plattenvororten der Städte niederzulassen. Das Durchtrennen der Verbindung zwischen dem Bauern und dem Boden neben den angeborenen Mängeln der sozialistischen Wirtschaft des Defizits führten die Dörfer und die Landwirtschaft zum Konkurs. Die bereits in den 70-er Jahren von den agroindustriellen Komplexen (APK) aufgelaufenen Schulden und der für den Staatshaushalt der Volksrepublik Bulgarien (NRB) verhängnisvolle Tausch von Naturalien gegen vorsintflutliche sowjetische Anlagen und Ausrüstung führten das Dorf und die Landwirtschaft zum Kollaps. Vom Jahr 1980 an erreichten und übertrafen die Verluste infolge dieser Politik eine Milliarde Lewa jährlich, ergaben die Rechenschaften der Notenbank Bulgariens (BNB). Von einem großen Exporteur von landwirtschaftlicher Produktion verwandelte sich Bulgarien in ein Land, das sich gezwungen sah, Getreide zur Ernährung seiner Bevölkerung einzuführen.


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