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Interview

05.11.2013
Ausgebildete Bulgaren integrieren sich sehr schnell und erfolgreich in die deutsche Gesellschaft und Kultur
Ausbildung

Robert A. Scherl ist Geschäftsführer der deutschen Unternehmensberatung SCHERL & PARTNER GmbH mit der Spezialisierung Executive Search, Professionelle Personalberatung, qualifizierte Personalsuche und erfolgreiche Personalvermittlung im Zuge der klassischen Direktsuche/Headhunting in Osteuropa mit Hauptbüro in Prag und Niederlassungen in Moskau, Kiev und Varna. SCHERL & PARTNER, gegründet 1997 in Prag, beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit der qualifizierten Direktsuche von Fach- und Führungskräften für Unternehmen aus dem deutschsprachigen Ausland in Osteuropa und Deutschland und gehört somit zu den Pionieren im Osteuropageschäft. Zu den Schwerpunktländern zählen hierbei Russland, die Ukraine und Osteuropa (Tschechien, Slowakei, Polen, Rumänien, Bulgarien und im ehemaligen Jugoslawien wie Kroatien und in der Republik Serbien) und Zentralasien (Kasachstan oder Usbekistan). Weitere Informationen finden Sie unter www.scherl-partner.com und auch unter www.fachpersonal-medizin.de


Herr Scherl, wie schätzen Sie den Personalmarkt in Bulgarien ein? Durch welche Merkmale zeichnet sich dieser aus?
Der Personalmarkt in Bulgarien ist, wie hinlänglich bekannt, durch eine hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere bei jungen Menschen, geprägt. Gut ausgebildete Menschen müssen vermehrt Positionen annehmen, welcher unter Ihrer Qualifikation liegen. Schlechte Bezahlung und theoretische, teilweise aber auch praktische Überqualifizierung veranlassen viele Bulgaren, dem Land den Rücken zu kehren.
Das ist kein Wunder, denn so bekommt z. B. ein Assistenzarzt im 1. Jahr seiner Ausbildung zum Facharzt in Bulgarien ein durchschnittliches Nettogehalt von ca. 250,- Euro, während er in Deutschland im 1. Jahr bereis ca. 3.900,- Euro brutto erhält, zuzüglich ca. 800 Euro für ca. 4 - 5 Bereitschaftsdienste, gesamt also ca. 4.700,- Euro bzw. ein Nettogehalt (Steuerklasse 1, nicht verheiratet, keine Kinder) ca. 3.000,- Euro. De facto bekommt also ein junger Mediziner in seiner Ausbildung in Deutschland im 1. Jahr 12 x so viel wie in Bulgarien. Ein ausgebildeter Facharzt verdient in Bulgarien ca. 700,- Euro (+/- 100 Euro), in Deutschland hingegen, abhängig von der Fachrichtung, ca. 3.000,- bis 5.000,- Euro netto. Die Unterschiede sind, gerade im medizinischen Bereich, sehr extrem, treffen aber zum Teil auch auf andere Berufsgruppen zu.
Etwas anders gestaltet sich das Bild in der bulgarischen Privatwirtschaft. Ein Vertriebsleiter, auch in der Pharmazie, kann bei einem ausländischen Unternehmen aus den deutschsprachigen Raum wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz, nicht aber bei einer italienischen, griechischen oder türkischen Firma, vor Ort in Bulgarien mit einem Nettofixgehalt von ca. 1.500,- (+/- 500 Euro) zuzüglich Boni bzw. Erfolgsprovision, Firmenwagen zur Privatnutzung etc. rechnen.
Hier stellt sich die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, nach Deutschland zu gehen, denn in Deutschland würde er aufgrund der horrenden Steuerbelastung im Gegensatz zu Bulgarien nach Abzug der Steuern bei einem durchschnittlichen Jahresbruttogehalt von ca. 84.000,- lediglich ein Nettogehalt von ca. 3.500,- Euro verdienen. Ist man dann noch gezwungen in München, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, etc. zu wohnen, dann müssen auch eine Miete von ca. 1.500 - 2.000. Euro für eine 2-Zimmer-Wohung und die höheren Lebenshaltungskosten einkalkuliert werden.
Es geht darum, ob ein Wechsel nach Deutschland und Verlust der Heimat wegen ein paar Euro mehr überhaupt Sinn machen. Abgesehen davon, wird es ein guter Vertriebsmann in seiner Heimat Bulgarien schon aufgrund der Sprache, der Kultur und des bestehenden beruflichen Netzwerkes bei seiner Tätigkeit deutlich einfacher haben und auch erfolgreicher sein, als bei einem kompletten Neuanfang in Deutschland.
Auch gut ausgebildete IT-Spezialisten und Fachleute aus den Bereichen Logistik und Spedition haben in Bulgarien ebenso wie gut ausgebildete Ingenieure und Produktionsleiter mit guten Kenntnissen der deutschen und/oder englischen Sprache ganz gute Chancen, für ein internationales Unternehmen tätig zu werden, denn es gibt einige internationale Unternehmen, welche sowohl aus steuerlichen als auch aus Kostengründen Ihren Unternehmenssitz nach Bulgarien verlagert haben.
Wir von SCHERL & PARTNER empfehlen diesen Spezialisten, sich nicht unter Marktwert zu verkaufen, denn nicht ohne Grund kommen diese Firmen nach Bulgarien. Ein guter IT- oder Logistik-Spezialist, aber auch einen Ingenieur, kann in Deutschland ohne Probleme ein Bruttojahresgehalt von ca. 70.000,- Euro +/- 20.000,- Euro verdienen. Warum soll der bulgarische Spezialist in Bulgarien dann für einen Bruchteil des Gehalts arbeiten, was er im deutschsprachigen Raum verdienen könnte.
Wir haben auch die Feststellung gemacht, dass sich viele Bulgaren aufgrund der derzeit schlechteren Wirtschaftslage in Bulgarien unter Wert verkaufen - dies ist nicht notwendig und auch nicht angebracht. Ausländische Unternehmen kommen u.a. auch deshalb nach Bulgarien, weil hier die Gehälter teilweise niedriger sind als in China.

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